S(ch)ichtwechsel

Wer kennt sie nicht, die vor allem im urbanen Umfeld nahezu allgegenwärtig scheinenden Hochglanz-Plakatwände, von denen uns tagtäglich Models entgegen lächeln und Produkte anstrahlen, die unserem (Unter-)Bewusstsein gewissermaßen wie stille Begleiter folgen, während wir uns im öffentlichen Raum fortbewegen? Mal sind diese Affichen spärlicher gesät, dann wiederum stehen sie uns Spalier und flankieren in ihrer beinahe schon steril wirkenden Ordnung beiderseits unseren Weg - immer um unsere Aufmerksamkeit buhlend und immer dem ständigen Wechsel ihres Äußeren unterlegen.
In meiner Arbeit „S(ch)ichtwechsel“ begebe ich mich auf eine fotografische Suche nach einer im ersten Moment oft nicht so gut ersichtlichen, wenig beachteten, nichts desto trotz nicht weniger präsenten Art von Plakaten, die auf den großen, eigens dafür aufgestellten Wänden keinen Platz haben und daher ihr Dasein auf allen nur erdenkbaren vertikalen Flächen des städtischen Raums fristen. Diese „wilden“ Plakate, quasi Stief-Geschwister der großen Werbeträger, sind einer gesetzmäßigen Flüchtigkeit unterworfen, da die vorhandenen Flächen im öffentlichen Terrain rar sind. Aus diesem Umstand heraus entsteht mit der Zeit durch ständiges Überkleben und wieder Abreißen eine Art Papierrelief, das sich aus verschiedensten Formen, Farben, darüber und darunter liegenden Schichten und Informationsfetzen zu einem neuen Ganzen zusammenfügt und sich in seiner Ästhetik des scheinbar Zufälligen immer wieder selbst neu erfindet.
Diese sich entwickelnden Gebilde in ihrer schnelllebigen, temporären Originalität festzuhalten bzw. zu entschleunigen, ist mein Anspruch an diese Arbeit.


Bernhard Bruckner