Off-Spaces No 1

Die Rohstoffvorkommen in der Region, aber vor allem die geografisch günstige Lage lassen im ausgehenden 19. Jahrhundert die südbolivianische Stadt Uyuni, was in der Sprache der Aymara so viel heißt wie „Platz der Lasttiere“, zu einem distributionalen Knotenpunkt des Landes werden. Hauptsächlich Bodenschätze wie Zinn, Silber und das im Überfluss existierende Salz von den angrenzenden Salares sollen von hier weiter zu den großen Häfen an der Pazifikküste transportiert werden. Die Eisenbahn wurde zur treibenden, wirtschaftlichen Kraft des südlichen Altiplano.
Unter anderem durch die Erschöpfung der Minen und den damit einhergehenden Schließungen Mitte des 20. Jahrhunderts haben auch die Züge, bisher fast ausnahmslos als Transportmittel der großen Bergbaugesellschaften im Einsatz, größtenteils ausgedient und rosten seither ca. 3 km südlich der Stadt auf zahlreichen Abstellgleisen ihrem völligen Zerfall entgegen.
An diesem Ort, besser bekannt unter dem Namen „Cementerio de Trenes“ (Friedhof der Züge), spiegelt sich in einer ganz besonderen Weise ein Stück bolivianischer Geschichte wider. Die alten „Lasttiere“ des ökonomisch einst begehrten Gebietes passen sich hier mehr und mehr im Laufe der Jahrzehnte dem sie umgebenden kargen Raum des Altiplano an, ja verdichten sich sozusagen mit diesem zu einem Portrait menschlicher Vergangenheit.
Andererseits jedoch bilden sie aus gegenwärtiger Sicht auch eine Art Bühne für freien gedanklichen und künstlerischen Ausdruck und erhalten so gleichermaßen eine völlig neue Funktion.
Die Dokumentation dieser beiden konträren Zeitschienen bildet den Focus dieser Serie.